
Wotans Rabe - Elisabeth Langgässer
Wotans Rabe
Elisabeth Langgässer, ihre Tochter Cordelia und die Feuer von Auschwitz
Die Schriftstellerin Elisabeth Langgässer, geboren 1899 in Alzey in Rheinhessen, galt im „Dritten Reich“ durch ihren Vater, einen getauften Juden, als „Halbjüdin”. 1936 wurde sie aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und mit Schreibverbot belegt. Im selben Jahr heiratete sie den Philosophen Wilhelm Hoffmann, von dem sie auch den Namen „Wotans Rabe“ als Anspielung auf ihre „nicht-arische” Herkunft erhielt. Das „Dritte Reich“ überlebte sie im Schutz einer „privilegierten Mischehe”. Ihre 1929 geborene Tochter Cordelia, die aus einer Beziehung mit einem jüdischen Gelehrten stammte, wurde 1943 nach Auschwitz deportiert. Im März 1945 wurde sie durch eine Hilfsorganisation des Schwedischen Roten Kreuzes gerettet und nach Schweden evakuiert. In Stockholm arbeitete sie als Journalistin und heiratete den Schriftsteller Edvardson. Die Ehe wurde 1958 geschieden. 1973 ging Cordelia Edvardson nach Israel und arbeitete dort bis 2006 als Korrespondentin für das „Svenska Dagbladet“. Sie wurde für ihre Arbeit mit Preisen und Ehrungen ausgezeichnet und starb 2012 in Stockholm.
Elisabeth Langgässer konnte nach dem Zweiten Weltkrieg durch ihre Romane und Kurzgeschichten noch einmal an ihre Karriere als Schriftstellerin anknüpfen. Ihr Werk erzielte hohe Auflagen, 1951 wurde sie posthum mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet. Sie zählte sich zur Inneren Emigration, einer Gruppe von Schriftstellern, die sich durch ihren Rückzug in die Innerlichkeit mit der Diktatur arrangiert hatten.
„… bevorzugt einen sachlichen, mitunter fast störend lakonischen Ton. Aber sie fordert für die Langgässer nicht mehr Verständnis, als aus der Situation vertretbar, … Der Begriff (Innere Emigration, Anm. El-Akramy) gehört zu den Verdrängungs-Akten im Adenauer-Staat, er verzerrt und entwertet die tatsächliche Emigration. Das Wort, nach innen ausweichend, verliert seinen Adressaten.”
Claus-Henning Bachmann. Aufbau, American’s Only German-Jewish Publication. New York, August 1998
„…. reflektiert dabei auch das Suchen der Intellektuellen nach einer ‘neuen’ Sprache und Literatur im Nachkriegsdeutschland. … Dabei gelingt ihr allerdings nicht durchgängig der Balanceakt zwischen wissenschaftlicher Monographie und literarisierender Fiktion.”
Annette Wassermann. Der Tagesspiegel, 7. November 1997
